Motobu-ryu (Goten-te oder Motobu Udun ti)

 

 

Reine Te-Stile gibt es heute kaum noch. Einzig und allein über den Motobu-Clan wurde eine alte Version des Te in die Gegenwart gebracht und wird heute öffentlich in fest umrissenen Konzepten von Uehara Seikichi gelehrt. Der Ausgangspunkt für diesen modernen Te-Stil ist das Motobu-ryu von Motobu Choyu, der ihn zum ersten Mal öffentlich lehrte. Sein Konzept übertrug sich als Uehara Motobu-ryu auf Uehara Seikichi und in gewissen Aspekten auch auf Nakamura Shigeru, der in Kombination mit mehreren anderen okinawanischen Stilen das Okinawa-Kempo-Karate gründete. Einer der wenigen okinawanischen Te-Stile, die bis in die jüngste Zeit unbeeinflusst vom chinesischen Kempo blieben, ist das traditionelle Motobu-ryu (nicht identisch mit Motobu Chokis Motobu-ryu) aus dem Vermächtnis der Motobu-Familie, das von Motobu Choyu auf Uehara Seikichi übertragen wurde. Uehara Seikichi war der Schüler von Motobu Choyu, dem letzten Erben eines alten Familienstils, der bis zum 19. Jahrhundert unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt war: Goten-te, Motobu Udun te, Motobu-te, Kosho-ryu-te oder einfach nur Te. Uehara systematisierte 1947 den Stil, nannte ihn Uehara Motobu-ryu und vertritt ihn in der Organisation Motobu-ryu Kobujutsu Kyokai.

Der Stil wurde seit Generationen immer nur dem ältesten Sohn des Motobu-Clans gelehrt und basiert auf dem seit Gedenkzeiten geheimen Te-System von Motobu Udun (Gründungsvater des Motobu-Clans). 11 Generationen zählt nunmehr die Übertragungslinie, die immer durch den ältesten Sohn und Clan-Vorstand repräsentiert wurde, bis Motobu Choyu zu Anfang dieses Jahrhunderts den Stil der Öffentlichkeit vorstellte. Choyus Vater, Chomura, lehrte die Kunst zum ersten Mal gegen die Familientradition all seinen Söhnen: Motobu Choyu (Stilerbe), Motobu Choyun und in kleinem Umfang auch Motobu Choki, dem schwarzen Schaf der Familie. Choki, der später ein großartiger Kämpfer wurde, nannte seinen Stil ebenfalls Motobu-ryu, doch sein Konzept enthielt nur sehr wenige Techniken aus der alten Familientradition der Motobu.

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